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Geschichte / historisches Westernhausen

Gründungsurkunde_Westernhausen

Das zu beiden Seiten des Sternbachs an dessen Mündung in die Jagst gelegene Westernhausen wird erstmals 1225 erwähnt (»Westerenhusen«). Sein Name charakterisiert es als westlich von der Muttersiedlung gelegenen Ausbauort, jedoch ist nicht bekannt, wo dieser genau lag. Das Grundwort des Ortsnamens (-hausen) und das Sankt Martin-Patrozinium der Kirche deuten auf einen frühmittelalterlichen fränkischen Ursprung der Ortschaft. Aus dieser Zeit stammen auch die Grundmauern des Kirchturm.

 

Im Gewann Oberes Äulein (dort, wo jetzt das Neubaugebiet „Siedlung“ ist) bestand zwischen 1290 und 1405 der Weiler Ruthardsdorf. An diesen erinnert die Ruthardstraße. In Ruthardsdorf waren die Herren von Rossach begütert waren. 1290 trugen sie ihr dortiges Allod dem Bischof von Würzburg zu Lehen auf; 1300/10 verkauften sie Güter und Rechte, darunter auch Gerichtsrechte zu Ruthardsdorf an das Kloster Schöntal, das seinen hiesigen Besitz bald mit Zukäufen von den Hohenlohe (1319) und den Berlichingen (1351) arrondieren konnte. Zu dem Weiler gehörte eine seit 1602 bezeugte Sankt Antonius-Kapelle, die im 19. Jahrhundert dem Bau der Straße zum Opfer fiel. Im Jahr 1906 wurde in der Gabelung zwischen Kapellenstraße und Ostersteige eine neue Antoniuskapelle gebaut.

 

Im 13. Jahrhundert gehörte Westernhausen zur Herrschaft der Herren von Krautheim. Neben deren Erben, den Grafen von Eberstein, verfügten im Spätmittelalter auch die Grafen von Wertheim und die Edelherren von Dürn über Lehen in Westernhausen. An die Grafen von Eberstein erinnern die beiden Rosen im Ortswappen. Als deren Lehnträger waren zahlreiche Niederadelsfamilien der näheren Umgebung hier begütert; genannt seien die von Aschhausen und von Bachenstein als Dürner Vasallen und die von Adelsheim und von Seldeneck als Wertheimer Lehnleute. 

 

Außer diesen Familien gab es zwischen 1306 und 1357 noch Adlige, die im Ort eine Burg besaßen und von Westernhausen ihren Namen führten. Reste dieser Burg sind noch in der Ortsmitte zwischen Schulweg und Sternbachweg erhalten. 

 

Bereits 1302 verkauften die Grafen von Flügelau, die hier als Nachfolger der Ebersteiner begütert waren, allen ihren Besitz in Westernhausen, darunter einen auf dem Berg gelegenen Burgstall, an das Kloster Schöntal. Nach und nach gelang es den Zisterziensern, von den Ebersteiner Grafen und den verschiedenen anderen Adelsfamilien deren Gerechtsame in Westernhausen zu erwerben, 1295 von denen von Bachenstein, 1299 von den Herren von Dürn, 1476 von denen von Aschhausen etc. Auf die Zisterzienser weist der schwarz-weiße Schrägbalken im Ortswappen hin. Anfangs hatten neben Schöntal auch noch andere geistliche Institutionen Besitz am Ort, der aber sukzessive von dem Kloster an der Jagst erworben wurde. Tausch- und Kaufgeschäfte mit verschiedenen geistlichen und weltlichen Herrschaften führten dazu, dass dem Kloster Schöntal am Ende nahezu das ganze Dorf gehörte, inklusive der Ortsherrschaft. 

 

Nordöstlich der Ortschaft, in Richtung Marlach, liegen an der Gemarkungsgrenze nach Winzenhofen, oberhalb des sogenannten Schwarzen Wasser, die Überreste der Burg Stein. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um den Burgstall, den die Grafen von Flügelau 1302 an das Kloster Schöntal verkauften (»montem in quo quondam castrum fuit, qui vulgariter dicitur Burckstal«). Neben dem dicken Mauerwerk konnte ein Gebäude nachgewiesen werden, das vielleicht als Kapelle zu deuten ist. 

 

Im Jahr 1608 erließ der Abt von Schöntal für Westernhausen eine Dorf- und Gerichtsordnung. Ihr zufolge sollte viermal jährlich Gericht gehalten werden. Beim ersten Termin in jedem Jahr, am Dreikönigstag (6. Januar), wurden alle Gemeindeämter – Heiligenpfleger, Mühlmeister, Grabenmeister, Feuer- und Wasserbeseher, Brotwieger und Weinschätzer – neu besetzt. Die beiden alten Bürgermeister legten bei gleicher Gelegenheit Rechnung, und anschließend wurden aus dem Kreis der Gemeinde zwei neue Bürgermeister gewählt.

 

Der Flurname Klausenrain und die darunter gelegene Klausenwiese könnten einen Anhaltspunkt bieten für die Lokalisierung der 1406 in einer Urkunde erwähnte Franziskanerinnenklause. Diese ist freilich ebenso abgegangen wie die Burg des in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hier bezeugten Adels. 

 

Im Dreißigjährigen Krieg hatte Westernhausen besonders zu leiden. Alleine 1634 starben 113 Einwohner an der Pest, darunter drei Pfarrer, an die ein Gedenkstein in der Kirche erinnert. 1647 brannte der Ort bis auf sieben Häuser nieder. 1684 und 1781 wurde der Ort erneut von Seuchen heimgesucht. Einem Schatzungsregister von 1664 ist zu entnehmen, dass Westernhausen damals etwa vierhundert Einwohner hatte; am Ende des Alten Reiches waren es rund 590 Seelen. 

 

Die auf einem Bergvorsprung am südlichen Ende des Dorfs gelegene Kirche wurde 1742/44 im Auftrag des Klosters Schöntal neu gebaut. Es handelt sich um einen einfachen Saalbau mit schräg eingezogenem Chor. Ein Pfarrer (»plebanus«) ist erstmals 1225 bezeugt. Deshalb fallen die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft und der Kirche zusammen. 1299 erhielt die Kirche, die offenbar ursprünglich Mittelpunkt eines größeren Pfarrverbands war, durch Stiftung einen Marienaltar. Das Patronatsrecht hatten in der Nachfolge der Herren von Boxberg-Krautheim seit 1327 die Ritteradligen von Hardheim; 1566 traten sie es im Tausch gegen Güter zu Hirschlanden an das Kloster Schöntal ab. Die Zisterzienser ließen 1609, nachdem sie das alte an einen Zimmermann verkauft hatten, ein neues Pfarrhaus errichten. Seit 1682 wurde die Pfarrei durch einen Schöntaler Konventualen versehen. Das Patrozinium des heiligen Martin wurde 1684 in einer Zeit hoher Sterblichkeit infolge von Seuchen um das des heiligen Sebastian ergänzt. 

 

1315 ist eine Mühle bezeugt. 1658 kam sie an das Kloster Schöntal, aber schon im Jahr darauf wieder in private Gommersdorfer Hand. Die Mühle war bis Ende der 1970er Jahre in Betrieb. Dort wird heute noch Strom erzeugt. Das imposante Fachwerkgebäude neben der Brücke gehört zu den schönsten Gebäuden in Westernhausen.

 

Der Weinbau spielte keine große Rolle, und doch verpflichtete sich das Kloster Schöntal, das wegen des Weinzehnten mit der Gemeinde in Streit lag, 1517 zum Bau einer Kelter. Ein kleiner Kelterbau datiert von 1665. Die Kelter, in deren Obergeschoss später Wohnungen eingebaut wurden, wurde im Zuge der Dorfflurbereinigung in den 1990er Jahren abgerissen. An diese erinnert noch heute der „Kelterplatz“ mit einem kleinen Brunnen neben dem Gasthaus Ochsen.

 

Bereits 1619 wurde eine steinerne Brücke über die Jagst gebaut, von der die Gemeinde das Brückengeld einnahm. Ein Schulmeister ist 1704 in Westernhausen nachzuweisen.

 

Mit der Säkularisation fiel das Dorf 1802/03 an Württemberg und gehörte bis 1810 zum Oberamt Schöntal, bis 1811 zum Oberamt Ingelfingen, danach zum Oberamt Künzelsau, seit 1938 Landkreis Künzelsau. Bis 1835 gehörte die dann verselbständigte Gemeinde Muthof mit den Wohnplätzen Schleierhof und Büschelhof zu Westernhausen. 1)

 

1843/44 wurde in Westernhausen ein kombiniertes Rathaus/Schulhaus gebaut. Nach der Fertigstellung der neuen Schule im Jahr 1959 wurde das Gebäude noch bis zur Gemeindereform als Rathaus genutzt, dann bis zur Fertigstellung der neuen Räume im Untergeschoss der „Halle“ als Ortschaftsverwaltung sowie für Vereinsräume.

 

Die „Halle“ ist eine Turn- und Festhalle direkt neben der Grundschule, die 1960 gebaut und 2014/15 umfassend saniert wurde.

 

Westernhausen hatte schon sehr früh einen Kindergarten, der durch Anna-Schwestern aus Ellwangen geleitet wurde. Zuerst befand sich dieser im Saal des früheren Gasthauses „Hirsch“. 1956 wurde ein Kindergarten gebaut und 1968 erweitert. Im Jahr 1998 wurde ein neuer Kindergarten gebaut und das alte Gebäude in den Folgejahren zum Dorfgemeinschaftshaus „Haus am Sternbach“ umgebaut.

 

Auszug aus dem Vortrag von Ulrich Gallistl am 6. Juli 2025 anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der Ortschaft und der Kirchengemeinde Westernhausen

 

1)Quelle: Landeskunde entdecken online, https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/2664/Westernhausen+-+Altgemeinde~Teilort